HGD_2025-08-31_22. Sonntag im Jahreskreis
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Beschreibung
Hausgottesdienst
22. Sonntag im Jahreskreis (C)
31.08.2025
Lied: Im Frieden dein, o Herre mein (GL 216)
Einleitung
Wir sind hier zusammen gekommen, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Wir sind hier so wie wir sind, mit allem, was gut ist in unserem Leben, mit allem, was uns nicht gelingt. Wir brauchen keine Maske zu tragen. Gott kennt uns von Grund auf. Gott liebt uns von Grund auf. Grüßen wir Ihn jetzt in unserer Mitte und bitten wir um sein Erbarmen:
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist Meister, doch du bist wie einer, der dient. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du warst wie Gott, doch du wurdest wie ein Sklave. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du warst ohne Sünde, doch du gabst am Kreuz dein Leben hin für uns. Herr, erbarme dich.
Gebet
Guter Gott, du kennst uns; du weißt, was wir können, du weißt, was wir nicht können. Du kennst uns; du siehst, wo unsere Liebe zu dir gelingt, du siehst, wo unsere Liebe unvollkommen ist. Mit allem dürfen wir hier sein, vor dir. Wir brauchen uns nicht zu verstellen. Wir können es auch nicht. Wir sind nicht mehr als wir vor dir sind. Wir sind auch nicht weniger als wir vor dir sind. Eines sind wir alle: geliebte Töchter und Söhne. Lass uns das immer neu erfahren. Amen.
Evangelium (Lk 14,1.7-14)
Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis. Er sagte zu ihnen: Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Gedanken zum Evangelium
„Hochmut kommt vor dem Fall!“ – Dieses Sprichwort ist uns vertraut. Und bei etlichen Diktatoren der Geschichte hat es sich auch bewahrheitet: Mussolini, Hitler, Ceaucescu. Sie wurden gestürzt bzw. haben sich selbst gerichtet. Der fade Beigeschmack in ihrer Lebensgeschichte: Sie haben unzählige Unschuldige durch ihre Entscheidungen in Unglück und Verderben gestürzt. Und auch unsere Zeit kennt sie bedauerlicherweise, die vermeintlich Mächtigen dieser Welt, die ohne Rücksicht auf Verluste ihren Willen durchzusetzen versuchen und Leid und Elend über Menschen bringen. Die Putins, Trumps, Xi Jinpings, Kim Yong Uns unserer Tage.
Diesen Erfahrungen stellen die Texte der Heiligen Schrift heute die Erfahrung und die Bedeutung der Bescheidenheit und der Demut gegenüber. Sich selber zurücknehmen zu können, sich nicht selber in den Mittelpunkt stellen zu wollen, nicht nur den eigenen Willen anderen aufzuzwingen, sondern bewusst das Gegenüber in den Blick zu nehmen, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und mich um sein Wohl zu bemühen, das macht Bescheidenheit und Demut aus.
Doch gelingt uns selbst das immer wieder in unserem eigenen Leben und Alltag? Wie oft bleiben wir hinter unseren eigenen Ansprüchen und Idealen zurück? Von Friedrich Hebbel, dem bedeutenden Philosophen des frühen 19. Jahrhunderts stammt die Erkenntnis: „Der ich bin, grüßt trauernd den, der ich sein könnte.“ Eine Erfahrung, die ich nur allzu gut für mich selber unterschreiben kann.
Die zwei Seelen wohnen und streiten in unserer Brust. Die eine, die uns sagt, wie unser Leben gelingen könnte, die uns zu einem erfüllten Leben führen will und ihre Gegenspielerin, die uns auf Wege führen will, die eigentlich nicht gut für uns sind.
Es liegt im Wesen unseres Menschseins, dass wir uns nach Achtung und Beachtung sehnen. Wir suchen unseren Platz im Leben und wünschen uns einen Platz, an dem wir Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Wir möchten gern mitmischen im Spiel der Großen und Einflussreichen, wir wollen dabei sein bei den Erfolgreichen.
Aber das ist nicht der Blickwinkel Jesu. Er sieht nicht zuerst nach oben zu den Mächtigen, den Entscheidungsträgern. Sein Blick wendet sich zunächst nach unten zu denen, die nur allzu oft an den Rand gedrängt und dort von anderen übersehen werden. Ihnen hat er sich in besonderer Weise immer wieder zugewandt und er will unseren Blick schärfen, dass auch wir lernen mit seinen Augen zu sehen, die Menschen und die Welt aus seiner Perspektive wahrzunehmen.
Es geht nicht nur um den Platz, den wir selber in unserem Leben einnehmen. Es geht auch darum, die in den Blick zu nehmen, die von anderen übersehen werden und keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft finden.
Es gibt so viel Leid und Elend in unserer Gesellschaft, so viel Hunger und Unfrieden in unserer Welt. Jesus will uns die Augen öffnen, will uns zeigen, wo und wie wir uns einbringen können, um diese Welt – und sei es nur ein klein wenig – menschlicher, friedlicher, versöhnter werden zu lassen.
(Wolfgang Kempf)
Lied: Hilf Herr meines Lebens (GL 440)
Fürbitten
Zu Gott, aus dessen Liebe allein wir heraus leben, beten wir voller Vertrauen:
Lass alle Verantwortlichen in der Gesellschaft ihre Aufgabe als Dienst am Mitmenschen betrachten.
Hilf allen, die in deiner Kirche wirken, sich bewusst zu bleiben, dass du es bist, der Dein Reich aufbaut.
Für die Menschen, die unterdrückt und abgewertet werden. Lass sie ihren Wert und ihre Würde erfahren.
Führe alle jungen Menschen, die vor einem neuen Anfang stehen, an dem Platz, den sie im Leben ausfüllen sollen.
Bekehre alle, die den Wert eines Menschen nur in Äußerlichkeiten sehen.
Lass unsere Verstorbenen teilhaben am himmlischen Hochzeitsmahl.
An dich glauben wir, auf dich hoffen wir, dich lieben wir, jetzt und für alle Zeiten. Amen.
Einleitung zum Vaterunser
Wir alle sind von Gott so angenommen, wie wir sind. Darum dürfen wir alle in das Gebet einstimmen, das Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel …
Segensgebet
Guter Gott, wir bezeugen deine Liebe dort, wo wir einander annehmen, wo wir einander wertschätzen, vor allem uns selbst, wo wir nicht meinen, wir seien etwas Besseres. Alle sind wir geliebt und angenommen. Keiner ist mehr wert vor dir, keiner ist weniger wert. Lass uns das bezeugen an dem Platz, wo wir stehen und wo du uns hingestellt hast. Dazu segne uns durch deinen Sohn im Heiligen Geist. Amen.