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Pfarreiengemeinschaft Saalethal!


Liebe Gemeindemitglieder,

2019 10 11 1

2016 konnte ich in Berlin-Kreuzberg die Wohngemeinschaft besuchen, in der der Jesuitenpater Christian Herwartz über 20 Jahre lang gelebt und gearbeitet hat. Christian Herwartz ist ein sehr interessanter Vertreter unserer Kirche, der viele, ungewöhnliche Projekte lebt und in die Tat umgesetzt hat. 
* Er war zum Beispiel Arbeiterpriester, d.h. er hat eine Zeit lang als Priester in einer Fabrik gearbeitet.
* Er hat die sogenannten „Straßenexerzitien“ begründet. Dabei gehen die Teilnehmer auf Menschen auf der Straße zu und versuchen, ihre Vorurteile abzulegen, die sie bisher einen Kontakt mit diesen Menschen vermeiden ließen.
* Und er hat in der Naunynstraße 60 im zweiten Stock eines Wohnhauses mitten in Kreuzberg eine Wohngemeinschaft gegründet, die offen ist für alle, wirklich für alle, ohne Ausnahme.
Ich durfte am Mittagessen dieser Wohngemeinschaft teilnehmen und ein paar Stunden mit den Bewohnern verbringen. Die Wohnung besteht aus einem großen Zimmer, in dem 4 Stockbetten stehen. Dieser Raum ist ausschließlich für Männer vorgesehen. Daneben gibt es 2 Doppelzimmer, in dem nur Frauen wohnen und übernachten dürfen. Die Wohnung verfügt daneben über eine Küche, ein Bad und einen Speiseraum mit einem großen Tisch für die Mahlzeiten.
Wenn die Wohngemeinschaft vollzählig ist, können dort bis zu 14 Personen leben. Alle müssen sich dabei ein Bad teilen (!), eine Küche und einen großen Tisch. Man kann sich leicht ausmalen, dass dabei Konflikte vorprogrammiert sind. Als ich im Vorfeld anfragte, ob ich kommen dürfe, stellte man mir eine Be-dingung, die ich erfüllte müsse: „Du darfst keinen fragen, was er oder sie beruflich macht und du darfst nicht fragen, woher sie oder er kommt!“
Die Antwort auf eine dieser Fragen kann für den einen oder die andere Be-wohnerin sehr gefährlich werden, denn viele der Bewohner waren  – wie ich später erfuhr – ohne Ausweispapiere, lebten illegal in Deutschland, kamen aus dem Gefängnis, der Psychiatrie oder wollten einfach anonym bleiben. Pater Herwartz nahm alle auf, auch die, die nirgend woanders unterkommen.
Ich kann ihm nur meine Bewunderung zollen, wie er auf engstem Raum über 20 Jahre lang mit diesen Menschen gelebt hat und keine andere Auflage gestellt hat als die, keine Gewalt anzuwenden. Ich könnte so auf Dauer nicht leben.
Mir ist ja schon das Gespräch beim Mittagessen nicht leicht gefallen. Normalerweise komme ich über den Beruf oder ihre Herkunft mit anderen Menschen ins Gespräch. Das fiel jetzt weg. Und mir wurde bewusst, wie sehr ich andere Menschen nach ihren Ausbildungen, Berufen oder Titeln beurteile.
Es war viel schwerer, ohne all das in Kontakt zu kommen. Entscheidend war der Mensch, der vor mir saß, nicht seine Vergangenheit, seine Ausbildung, sein Status, sein Verdienst. Von Jesus Christus erzählen die Evangelien ebenfalls, dass er keinen Wert auf Titel gelegt hat. Er ist auf andere zugegangen, von Mensch zu Mensch, auf Augenhöhe.

Ich wünsche Ihnen gute Begegnungen

Matthias Karwath,
Pfarrvikar
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