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Gemeindereferentin Beate SchillingWort zum Sonntag, 25.07.2021

Von Gemeindereferentin Beate Schilling

Gedenktag der älteren Menschen – Zeit zum Erzählen und Erinnern

 

In unserer Küche steht ein altes Küchenbüffet aus Holz. Es stammt von meinen Urgroßeltern und ich erinnere mich noch sehr genau an die Beiden, die mir als Kind so oft ungeteilte Zuwendung und Aufmerksamkeit geschenkt haben. Schon als kleines Kind hat mich dieser alte Schrank in der Sofa-Küche fasziniert und so wurde er mir vererbt. Er wurde für mich Symbol für diese Atmosphäre von Geborgenheit.

Sicher haben Sie auch ein altes Erinnerungsstück, das sie hüten und das – wenn es ihnen wieder einmal in die Hände fällt – kostbare Bilder und Gespräche, Erlebnisse und Begegnungen in ihnen wachruft. Diese Gegenstände sind umso wertvoller, je länger sie uns auf unserem Weg begleitet haben. Oder sie stehen für ein einmaliges und wegweisendes Erlebnis, das uns geprägt hat. Wir halten diese Dinge in Ehren und bewahren sie.

Wenn wir Gegenständen schon viel Bedeutung beimessen, wenn die Erinnerungen an Vergangenes Schätze sind, die wir erhalten wollen – um wieviel mehr gilt dies für ältere Menschen. Ein Sprichwort sagt „Mit jedem alten Menschen, der stirbt, brennt eine Bibiliothek ab“. Der Verlust an Wissen, an Erfahrung, gerade an Geschichte, die besonders in Erzählungen aus eigener Erfahrung wieder lebendig wird, ist immens. Hatte dieser Mensch in seiner Lebenszeit die Chance, seine Erlebnisse und Erinnerungen weiterzugeben, zu erzählen und vielleicht sogar festzuhalten?

Meine Urgroßeltern haben dies nicht getan. Vielleicht war ich zu jung, aber der Verlust dieser Geschichten macht mich noch heute traurig und ich wollte, ich hätte mehr Zeit mit ihnen gehabt – oder die gemeinsame Zeit genutzt. Wie so oft in unserem Leben verpasst Chancen, die uns erst im Nachhinein bewusst werden.

An diesem Wochenende feiert die Kirche das erste Mal den Tag der „Großeltern und älteren Menschen“. Dieser Gedenktag um die Namenstage Anna und Joachim herum soll jetzt jedes Jahr am 4. Sonntag im Juli an den besonderen Schatz von älteren Menschen erinnern. Ich stelle mir vor, dass an diesem Tag Großeltern und Enkel zusammensitzen könnten und die Älteren den Jüngeren einfach erzählen, was ihnen in ihrem Leben wichtig war. Nicht nur Kinder sind fasziniert von alten Geschichten und bewahren solche Stunden in der späteren Erinnerung als das, was sie sind: Kostbare Momente der Begegnung und liebevollen Zuwendung.

Ich frage mich, ob Anna und Joachim solche Momente auch mit Jesus erlebt haben. Kinderseelen saugen diese Momente in sich auf und so glaube ich fest daran, dass diese Stunden auch Jesus geprägt haben könnten. Die liebevollen Begegnungen mit Menschen, sein sich ganz auf den Menschen einstellen, der ihm gegenüber stand – das zeigt, dass Jesus gute Vorbilder hatte, dass er sicher Geborgenheit und liebevolle Fürsorge erlebt hat. Er konnte diesen Schatz später an andere Menschen weitergeben. Er war die personifizierte Zuwendung und Wertschätzung Gottes.

Ich lade sie ein, diesen Tag nicht einfach vorübergehen zu lassen, sondern ihn zu nutzen, Kostbares zu erfahren und zu bewahren. Ältere Menschen sind wie Schatzkisten, die man öffnen wollen muss – und die sich über Zeichen der Wertschätzung und Aufmerksamkeit freuen. Nutzen wir die gemeinsame Zeit – sie ist begrenzt und nicht nachzuholen.

Beate Schilling

Gemeindereferentin
Altenheimseelsorgerin Bad Brückenau

Aktuelles

Auszeit für die Seele

Herzliche Einladung am Sonntag, den 10. Oktober 2021 um 10:00 Uhr in die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Euerdorf zur "Auszeit der Seele ...

VAM Erntedank Euerdorf

Herzliche Einladung zur Vorabendmesse Erntedank am Samstag, den 02. Oktober 2021 um 18:00 Uhr in die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Euerdorf ...

Pfarrbrief

  Gemeinsamer Pfarrbrief des Pastoralen Raumes Bad Kissingen September / Oktober 2021 ...

Glosse

 

"Wie hat´s geschmeckt?"

Seit anfang Juni war ich auf „Erstkommuniontournee“ durch den Pastoralen Raum. Das letzte Erstkommunionfest war am 25. Juli in Eltingshausen. Coronabedingt und wegen des kleinen Altarraums sind die Kommuionkinder nach und nach zusammen mit ihrer Familie „nach vorne“ zur Kommunion gekommen.

Bei einem Kommunionmädchen waren auch die zwei jüngeren Geschwister dabei. Da gibt es immer diesen sehnsüchtig-traurigen Blick, wenn sie leer ausgehen; zumindest gesegnet werden sie immer.
Als dann die „große Schwester“ zusammen mit den Eltern kommuniziert hatte und das Heilige Brot, den Leib Christi, gegessen hatten, schaute sie ihr jüngerer Bruder an und fragte sie: „Wie hat's geschmeckt?“ Die Antwort kam prombt: „Gut!“

Alle, die ganz nahe dabei waren, konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen; und ich muss immer noch über diese Szene lächeln.Brot

Dabei ist es ja ganz einfaches Brot, aber anscheinend konnten wir die Kinder doch etwas auf den Geschmack der Liebe Gottes bringen.

Ihr Bruder ist ja auch in ein paar Jahren eingeladen, selber zu testen, wie das schmeckt, bei seiner Erstkommunion.

Wenn es in einem alten Lied heißt „o süße Seelenspeise“, dann darf auch ich vielleicht wieder neu ganz bewusst bei meiner nächsten Kommunion mir die Liebe Jesu wirklich schmecken lassen; und wenn ich durch Gottes Geist selber gewandelt ein genießbarer Mensch bin und als Christ selber zum Brot für andere werde, ja vielleicht bringe ich andere auf den guten Geschmack unseres Gottes und Glaubens. Geschmacklosigkeiten gibt es leider mehr als genug.

Gerd Greier, Pfarrer

Impuls

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