logo st benedikt

Direkter Download von dieser Webseite :

Download

Größe: 249.48 KB

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

 

1. Station: Verurteilung

Jesus steht vor Pilatus. Die Masse schreit, ist aufgewiegelt. Da gibt es Anstifter und Mitläufer. Aber viele schreien mit und fordern Jesu Tod, lassen sich mitreißen von queren Gedanken und der Wut der Masse. Pilatus hängt dazwischen. Irgendwie stimmt da was nicht. Das spürt er. Und er spürt die Unruhe und die Wut in der Masse. Das ist gefährlich! Er sucht nach einem Ausweg, macht Angebote, wäscht seine Hände in Unschuld und verurteilt Jesus dann doch. Damit nimmt der Weg zum Kreuz seinen Lauf - wie eine Maschine, die ich nicht mehr stoppen kann.

Impuls:

Laute Stimmen kennen wir in der momentanen Situation auch. Da gibt es viele quere Gedanken und gefährliche Gedanken dazu, die Menschenrechte in Frage stellen, die Leben bedrohen, abwerten und Schwächere ganz schnell verurteilen und den Stab über Menschen brechen. Dazu ist die Wortwahl rauh und bedrohlich geworden in so manchen Bereichen. Urteile sind schnell gesprochen im Kleinen und im Großen.

  • Wie bilde ich mir meine Meinung? Lege ich mich schnell fest und weiche dann nicht mehr ab?
  • Kann ich genau hinschauen und hinhören, erst einmal wahrnehmen oder bin ich flott im Beurteilen?
  • Wie rede ich über andere?
  • Wage ich den Widerspruch, wenn menschliches Leben, Freiheit und Miteinander bedroht wird?

Stille

Gebet

Herr, unser Gott, ich bringe Dir all das, wo ich mich schnell festlege, meine eingefrorenen Einstellungen, Gedanken, die mich am Weitblick hindern. Ich halte Dir hin, wo ich schnell beurteile oder verurteile und bitte Dich um Vergebung, um Liebe und Weitblick, um deinen Geist der Offenheit und die Bereitschaft mich immer wieder neu auf die Menschen einzulassen, die mir begegnen und mich den Herausforderungen unserer Tage zu stellen im Geist des Evangeliums. Amen.

  

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

2. Station:  Kreuz

Jesu nimmt das schwere Kreuz an - ohne Widerrede. Er trägt es freiwillig, nimmt die Last auf seine Schulter - als ein Beispiel für Menschen, die mutwillig vorgeführt oder verurteilt werden, - für alle, deren Leben von Schicksalsschlägen oder Leid gezeichnet ist - für uns alle...

Impuls:

Das Kreuz mit dem Kreuz:

Wenn mir zu viel aufgelastet wird, zu viele Aufgaben mich fordern und der Erfolgsdruck wächst, schmerzt schnell das Kreuz

- Ist mir bewusst, wie viel ich aushalten kann? Was kann ich “schultern”? Ab wann wird es zu viel? 

Bei anderen sind es die Sorgen um den Arbeitsplatz und/oder die fehlenden Einnahmen seit dem Lockdown. Existenzielle Nöte, die wie eine schwere Last drücken.

- Wie lässt sich das Kreuz stemmen? Wie wird der Lebensweg mit einer solchen Last weitergehen?

Wieder andere erfahren gesundheitliche Beeinträchtigungen, nicht zuletzt durch Covid-19 oder durch eine Diagnose, die ein Leben mit Schmerzen aufzeichnet oder mit der Prognose eines frühen Lebensendes.

- Wie lässt sich ein solches Kreuz annehmen und tragen? Was brauchen Menschen in dieser Situation?

Stille

 Gebet

Herr, viele Menschen tragen schwer an der Last ihres Lebens.

Stärke sie mit deiner Nähe, mit deiner Liebe, mit deiner Kraft

wie du deinen Sohn Jesus gestärkt hast,

damit er tapfer den Weg mit dem Kreuz bis zur Erlösung gegangen ist.

Schenke Ihnen die Zuversicht, dass du ihren Weg zum Guten führst. Amen 

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

3. Station: 1. Fall

Jesus hat das Kreuz nur wenige Meter geschleppt, da rutscht es von seinen Schultern und fällt zu Boden. Jesus fällt ebenfalls. Mit seinem Arm umfängt er es, als wollte er es nicht lassen. Sein Kopf liegt auf dem Balken, der ihm für einen Augenblick Ruhe gewährt. Fast eine liebevolle Geste. Man könnte sagen: auch dies ist schon eine Begegnung mit dem Kreuz.

 Impuls:

Wer einen schweren Weg zu gehen hat und dazu noch eine zusätzliche Last zu tragen hat, der kann straucheln, stolpern und fallen. Das ist menschlich. Auch Jesus ist das passiert. Das Fallen muss nicht tragisch sein, das Liegenbleiben dagegen schon. Für einen Moment siegt die Schwäche. Das ist die Realität des Augenblicks. Es gilt sie anzunehmen. Jesus ist wieder aufgestanden und den Weg weiter gegangen. Jesus ermutigt uns dazu. Am Boden liegen kann helfen, seine Situation in einem völlig anderen Licht zu sehen. Nur wer den Boden kennt, kann sich neu ausrichten und aufgerichtet leben.

- Wo liege ich zur Zeit am Boden?

- Welche Schwäche lähmt mich, meinen Weg weiterzugehen?

- Wer hilft mir, mich neu aufzurichten?

Stille

Gebet

Die ersten Anzeichen bleiben unbemerkt, entleert meine Sinne.

Kopf, Herz und Bauch zusammenhangslos, taub und sinnlos.

Du fällst, um mich aufzurichten, weil ich am Ende bin.

Ich gehe meinen Weg mit dir weiter.

Amen.

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

4. Station: Maria

Die Frauen aus Galiläa sind nicht geflohen wie die Jünger; sie bleiben in Jesu Nähe, um in seinen schwersten Stunden bei ihm zu sein.

Mitten unter ihnen entdeckt er sie: seine Mutter. Die letzte Begegnung, Das letzte Mal schauen sich Mutter und Sohn in die Augen. Das Licht seiner Augen wird löschen.

Sie darf nicht protestieren gegen das schreckliche Unrecht, das ihrem Sohn zugefügt wird. Maria darf nur weinen und ihren Schmerz als Mutter zeigen. Den eigenen Schmerz kann sie ertragen, aber den Schmerz ihres Kindes? Wie hatte sie so mutig das Magnificat gesungen, ihr Lied vom Kommen des Reiches Gottes! Nun wird alle Hoffnung genommen, nun weint ihre Seele.

Das Wort des Simeon wird bittere Wirklichkeit: “Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.” (Lukas-Evangelium 2,35)

Impuls:

Auch heute sind es oft Frauen und Mütter, die den größeren Mut des Herzens haben, die nicht weglaufen, die aushalten, was kaum auszuhalten ist.

Mütter in den Kriegsgebieten dieser Welt finden einen Weg, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen, auch wenn sie dafür ihr eigenes Leben riskieren

Mütter bangen um ihre Söhne, die den Weg in ein besseres Leben wagen. Sie müssen sie loslassen. Aber was ist, wenn das rettende Boot untergeht?

Mütter, die ihre Kinder verloren haben durch eine Krebserkrankung nach jahrelangem Hoffen.

Mütter, denen man das eigene Kind vor die Füße legt, als Soldat missbraucht und getötet.

Stille

Gebet

Jesus, auf deinem Leidensweg begegnest du deiner Mutter. Es muss wohl die Liebe sein, die euch stark macht, den Schmerz gemeinsam zu tragen. Unzertrennlich ist euer Band.

Barmherziger Gott, erbarme dich aller Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen. Höre den Schrei der Mütter und Frauen, die weinen und klagen.  Lass sie hoffen auf einen Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren. AMEN

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

5. Station: Simon von Cyrene

Da will ein Mann nur von der Arbeit nach Hause gehen und gerät in eine Situation, die er sich nicht ausgesucht hat: Da soll ein Mann hingerichtet werden, der von der vorausgegangenen Geißelung so geschwächt ist, dass er den Querbalken, den die Soldaten ihm auf seine Schultern gebunden haben und an dem er aufgehängt werden sollte, nicht mehr tragen kann. Er kann nicht mehr. Da schnappen sich die Soldaten einfach ihn, Simon, und zwingen ihn, den Querbalken zu tragen.

 Impuls: als Anfrage/zur Besinnung/Frage….

Auch ich gerate zuweilen in Situationen, die ich mir nicht ausgesucht habe. Egal was es ist, auch die Pandemie mit ihren schlimmen Folgen und den Einschränkungen, die sie mit sich bringt, ist eine solche Situation.

Da wird mir einfach etwas aufgezwungen, was ich normalerweise niemals hätte tun wollen.

Wie gehe ich damit um? Mache ich es gezwungenermaßen? Oder sehe ich mehr dahinter? Ist es eine andere Art von “Querdenken”, wenn ich mich zum “Mit-Träger” mache? Vielleicht mit Liebe?

 Stille

 Gebet

Jesus, ich staune über die Art und Weise, wie du uns erlöst hast. Da gab es so viele unvorhergesehene Dinge. Menschen sind dir über den Weg gelaufen, die du nicht gerufen hast. Unverständnis, Spott und Hohn sind über dich hereingebrochen. Das Kreuz wurde dir aufgezwungen. Und du hast daraus - wie immer - ein Zeichen der Liebe gemacht.

Ich weiß nicht, was Simon von Cyrene gedacht hat, als er den Querbalken hinter dir her tragen musste. Er hatte ja vielleicht bisher gar nichts mit dir zu tun gehabt. Ich aber habe mit dir zu tun. Ich möchte von dir lernen. Ich möchte erlöst leben wie du.

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

6. Station: Veronika

Jesus begegnet Veronika. Sie kann ihm das Kreuz nicht abnehmen, aber sie will ihm auf ihre Art helfen, diese schwere Situation erträglicher zu machen. So reicht sie ihm ein Tuch, damit Jesus sich den Schweiß abwischen kann. Von der Überlieferung her (vgl. das Grabtuch von Turin) blieb das Angesicht Jesu im Schweißtuch der Veronika erhalten.

 Impuls:

Den Namen Veronika kann man - je nach Sprachhintergrund - verschieden übersetzen. Zum Beispiel als Kombination vom lateinischen “vera” (= wahr) und vom altgriechischen “eikonos” (= Ikone, Bild). Der Name Veronika würde dann soviel bedeuten wie “wahres Bild”.

Veronika trägt einen Namen, der für uns alle folgende Botschaft enthalten kann: Noch im Schmerz zeigt Jesus ihr sein wahres Angesicht - ungeschminkt, unverstellt, wahrhaftig wie sein ganzes Leben.

Zeige ich mein wahres Gesicht?
In welchen Situationen verhülle ich mein Gesicht, weil ich den ungeschminkten, unverstellten Anblick meiner Person nicht ertrage bzw. mich schutzlos fühle?

 Stille

Gebet

Verborgen gegenwärtiger Gott,
manchmal fällt es mir so schwer, mich anschauen zu lassen. Auch von dir. Ich fürchte, nicht bestehen zu können - mit dem, was ich bin und was ich vorweisen kann.

Nimm du mir diese Angst. Jesus Christus hatte die Kraft, sich selbst in der Schwäche und Ohnmacht so zu zeigen, wie er war. Er wusste, dass er dir, sich selbst und anderen nichts vormachen musste. Er wusste innerlich, dass er aus deiner Liebe nicht herausfallen kann.

Lass mich von ihm lernen, dass auch ich dir, mir selbst und anderen nichts vortäuschen oder vormachen muss, weil ich von dir schon geliebt bin.

                                Amen.

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

 7. Station: 2. Fall

Wieder gerät das Kreuz in eine unkontrollierbare Bewegung und schmettert Jesus zu Boden. Jesus ist schon einmal unter dem Kreuz gefallen. Ein zweites Mal auf demselben Weg zu fallen, ist besonders erniedrigend und deprimierend. Doch auch dieser schlimmen und extremen Erfahrung hat sich Jesu nicht entzogen. Spätestens ab dieser Station wird deutlich, wie tief Jesus herabgestiegen ist. Aus der Tiefe rufe ich zu dir ...

 Impuls:

Wieder drückt mich eine Last zu Boden. Es ist nicht auszuhalten. Anscheinend kann man das Kreuz nicht tragen, ohne dass man fällt. Manchmal auch ein zweites Mal. Die Angst zu fallen, die Angst, dass ich es nicht mehr schaffe, die Angst, dass es nicht so kommt, wie ich es erhoffe, blockiert mich.

- Wieder gefallen, warum?

- Wieder am Boden, wie lang?

- Wieder aufstehen, mit wem?

- Wieder dafür dankbar sein?

Stille

 

Gebet

Es wird noch heftiger. Gnadenlos. Konturen verwischen. Mir fehlt der Halt, der Boden unter den Füßen - die Orientierung.

Jesus, in deine Hände lege ich alle, die ohne Perspektive leben müssen, ohne Halt und ohne Hoffnung. Besonders bete ich für die Erschöpften und Müden.

Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Amen.

  

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

8. Station: weinende Frauen

 Jesus lebt die Barmherzigkeit, von der er spricht. Er macht Gottes Liebe erfahrbar. Ein deutliches Zeichen dieser Barmherzigkeit ist das Kreuz, das er trägt - für uns alle.

DIe Frauen, die am Wegrand stehen, weinen aus Mitleid mit Jesus, weil er das schwere Kreuz tragen muss und sein Lebensende unausweichlich erscheint. Doch Jesus will nicht, dass sie um ihn weinen. Er verweist sie auf ihre eigene Lebenssituation, auf die politischen und sozialen Umständen seiner Zeit, in der Frauen und Kinder zu den Leidtragende gehören - wenig Wertschätzung und Ansehen erfahren. Ihnen schenkt er auch jetzt noch seine barmherzige Zuwendung.

Impuls:

Viele Menschen verschließen sich im eigenen Leid und haben keinen Blick für die Sorgen und Leiden anderer. Doch nehmen auch keine Hilfe an oder lassen kein Mitleid zu.

Manche tragen das Schicksal anderer Menschen mit, bieten sich als Gesprächspartner an, haben ein offenes Ohr, ein tröstendes Wort, sind in schwere Zeiten da und tragen - auch im Gebet - diese Situation mit.

Nichts entbindet davor, die eigene Lebenssituation im Blick zu haben:

Wo benötige ich das Erbarmen Gottes in meinem Leben?

Wie barmherzig gehe ich mit mir um? 

Wie und wo finde ich Möglichkeiten, die Barmherzigkeit Gottes zu erfahren?

Stille

Gebet

Barmherziger Jesus,

wir sehen dich und viele andere Menschen als Leidtragende und spüren allzu oft kein Mitleid. Ebenso verschließen wir uns lieber vor dem Mitleid anderer.

Schenke du uns von deiner barmherzigen Liebe, die die Not anderer mehr sieht als die eigene.  Amen

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

9. Station: 3. Fall

Jesus kann nicht mehr; er ist am Ende; alle Kräfte verlassen ihn; er fällt wieder auf den Boden, in den Staub, auf die Erde, auf die Steine - das Kreuz auf ihn drauf - da liegt er nun - völlig am Ende, völlig fertig - und jetzt?

Impuls:

“Reiß Dich bloss zusammen!” “Lass Dich nicht so hängen!” “Gib nicht auf!” “Weitermachen!” “Beiß die Zähne zusammen!” “Zeig bloß keine Schwäche!” “Jetzt hab Dich nicht so!” “Mit ein bisschen gutem Willen geht das schon!” “Was sagen denn die Leut?”

Kenne ich solche Sätze? Sind die vielleicht schon zu inneren Antreibern geworden?

Und ich mache “als weiter”, obwohl ich gar nicht mehr kann?

Oder ich mache anderen so einen Druck und so ein schlechtes Gewissen?

Jesus kann nicht mehr - und lässt sich fallen. Ist das eine Schande? Zu zeigen: Ich kann nicht mehr; ich bin am Ende; ich bin zu schwach?

Stille

Gebet

Jesus, zum dritten Mal ein Stopp auf deinem Kreuzweg: Du fällst zu Boden, bist am Ende deiner Kraft. Da liegst du nun - im Staub. Und mit letzter Kraft rappelst du dich auf; von den Soldaten rücksichtslos und gnadenlos dazu gedrängt - drängt es dich für uns den letzten Weg auch noch zu gehen.

 Ich bitte dich: Hilf mir, mir zuzugestehen, wenn ich am Ende meiner Kräfte bin; lass dann Menschen für mich dasein, die mich verstehen. Sei du dann spürbar bei mir und fange mich auf.

Lass mich mehr Gespür für Menschen haben, wie es ihnen wirklich geht, wie es in ihnen aussieht, wie voll oder leer ihre innere Kraft ist.

Bewahre mich davor, Menschen fertig zu machen mit Blicken, Bemerkungen, Worten, und Unverständnis.

Gib du uns die letzte Kraft, die noch fehlt, für den letzten Schritt.

Amen.

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

10. Station: entblößt

Auf der Schädelhöhe angekommen, fallen die Soldaten über Jesus her, ziehen ihn aus, entblößen ihn. Nackt und hilflos steht er da vor der gaffenden Meute. Viele machen sich über ihn lustig. Die Soldaten wollen das Gewand Jesu, das aus einem Stück gewoben ist, nicht zerreißen. Sie würfeln, wer das beste Stück haben soll. Die Würfel sind gefallen. Sie haben ihm auch noch das Letzte abgenommen, das er besaß. Sie haben ihm seine Würde genommen.

Impuls:

 Auch heute werden Menschen um ihr letztes Hemd gebracht:

  • Mädchen und Frauen, die sexuell genötigt oder sogar vergewaltigt wurden
  • Kinder, die auf der Straße arbeiten, deren Würde mit Füßen getreten wird
  • Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil es nur noch um Gewinnmaximierung geht
  • Obdachlose, die täglich mit verachtenden Blicken leben müssen

Wann fühle ich mich selbst entblößt, bloßgestellt

In welcher Situation fühle ich mich meiner Würde beraubt?

Wo gerate ich selbst in die Lage, anderen das letzte Hemd zu nehmen?

Stille

 Gebet

Du Gott der Bloßgestellten, so wie Jesus den verächtlichen Blicken der Menschenmenge ausgeliefert war, so geschieht es auch vielen Menschen bei uns. Das tut der Seele weh.

Hilf uns, für das Recht der Bedrückten und Armen einzutreten.

Gib uns Mut und Kraft zum Handeln, wenn andere bloßgestellt werden.

Schenke uns immer wieder neu das Gespür für Zärtlichkeit, damit unsere Kontakte untereinander von Wärme und Respekt voreinander geprägt sind.

Alles, was in mir bloßliegt, umhülle mit dem Mantel deiner Liebe.

Du bist es, der meinem Leben Würde gibt. AMEN

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

11. Station: festgenagelt

Jesus wird ans Kreuz geschlagen. Die Todesmaschinerie läuft perfekt. Jeder Handgriff sitzt bei denen, die Jesus ans Kreuz schlagen. Die Rollen sind festgelegt: dort diejenigen, die selbst Hand anlegen und sich später verantworten müssen für Ihr Tun. Wir hier als Statisten. Ein Exempel wird statuiert für uns. Widerstand ist zwecklos, was hätten wir schon ändern können ...

Impuls:

Festgenagelt sein, das ist das Schlimmste. Nicht mehr handeln können. Sich nicht wehren können. Bedingungslos ausgeliefert - auf Gedeih und Verderb.

Ich frage mich: Wo schlage ich solche Nägel ein?
Nagle ich Menschen fest auf Ihre Vergangenheit, auf alte Fehler?
Bin ich nachtragend?
Kann ich vergeben und verzeihen?

Nagle ich Gott fest auf ein bestimmtes Bild?
Nagle ich ihn fest, was er für mich tun soll?
Will ich, was er will? Frage ich nach seinem Willen?
Bekenne ich mich zu meinem Glauben und Christsein in meinem Alltag?

 Stille

Gebet

Herr Jesus Christus, am Kreuz hast du für uns Worte der Versöhnung und Heilung gesprochen. Du hast all das himmelschreiende Unrecht erlitten für uns. Aus Liebe zu uns hast du dich festnageln lassen. Du hast mit deinem Gott gerungen und gekämpft. Du hast mit ihm geschrien und bist vor ihm verstummt. Sterbend hast du die Arme ausgebreitet, um alle an dich zu ziehen, die deiner Barmherzigkeit so sehr bedürfen.

Erbarme dich aller, die man heute so festnagelt wie dich.
Erbarme dich aller, die hadern und ringen; aller, die sich für Versöhnung einsetzen und Frieden stiften.
Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

  

 Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

12. Station: Tod

Jesus ist gestorben. Sein toter Leib ist am Kreuzesbalken zu sehen, aber er ist leblos.

Nach dem Johannes-Evangelium steht nur Maria unter dem Kreuz. Seine Jünger sind alle davon gegangen. Nicht etwa nur, weil sie zu feige waren, sich zu ihrem Meister zu bekennen, sondern weil sie davon ausgehen mussten, dass sie sich in ihm getäuscht hatten. Wer am Kreuz endete, galt als von Gott verflucht. (Vgl. Buch Deuteronomium 21,23)

Impuls:

Karl Rahner hat einmal formuliert: “Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.”
- Halte ich an Gott bzw. an Jesus fest, auch wenn alles dagegen spricht?
- Tod ist die stärkste Erfahrung von Leere in unserem Leben, aber Erfahrungen von Leere, Ohnmacht oder einem ‘Nichts’ kennen wir auch im Alltag.
Kann ich diese Leere aushalten oder ‘schütte’ ich mich zu - mit Arbeit, Aktivitäten oder Lärm?
- Lebe ich gegen den Tod oder mit dem Bewusstsein, dass auch ich sterben werde?

Stille

Gebet

Auch mir manchmal unbegreiflicher Gott,

wir danken dir, dass Jesus uns den Weg zu dir gebahnt hat und auch wir darauf vertrauen dürfen, dass durch ihn der Weg zu dir frei geworden ist.

Lass uns deine Nähe, deine unbeirrbare Macht immer wieder erfahren, wo immer wir in unserem Leben so etwas wie Leere, Ohnmacht oder Hilflosigkeit erfahren.

Hilf uns, nicht gegen den Tod anzukämpfen, sondern im Bewusstsein unserer begrenzten Lebenszeit unser Leben sinnvoll zu gestalten.
Unser Leben wird in dich eingehen, so wie auch Jesus nicht verloren war, sondern in dir lebt.

Daran will ich glauben. 

Amen.

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

13. Station: Der tote Jesus im Schoß der Mutter

Die Szenerie, dass der tote Leichnam Jesu in den Schoß seiner Mutter gelegt wird, wird ausdrücklich nicht in der Bibel erwähnt. Ungefähr seit dem Jahr 1300 begegnet uns diese figürliche Darstellung - jeder und jede hat schon einmal ein solches Bild gesehen. Heutzutage ist es selten geworden. Der Leichnam eines Toten auf dem Schoß seiner Mutter - zu entsetzlich scheint diese Vorstellung für heutiges Empfinden!

 Impuls: als Anfrage/zur Besinnung/Frage….

Es hilft alles nichts: Der Tod gehört zu unserem Leben, er trifft todsicher für jeden von uns ein. Und wer schon die Erfahrung gemacht hat, dass ein lieber Mensch, der einem ans Herz gewachsen war, gestorben ist, hat eine Ahnung davon, was das für ein Schmerz ist. Er geht nicht weg, die Zeit heilt keine Wunden!

Ich schaue auf das Bild: Der tote Jesus im Schoß seiner Mutter.

Und ich frage mich:

  • Was ist in Maria vorgegangen, als sie ihren Sohn sterben sah? Warum ist sie nicht daran zerbrochen?
  • Warum haben glaubende Menschen überhaupt diese Szene dargestellt, obwohl sie sich wörtlich gar nicht in der Bibel findet?
  • Ist es vielleicht gar kein Schreckensbild, sondern ein Trostbild?
  • Wo finde ich Trost, wenn mir der Boden unter den Füßen weggezogen scheint? Gebe ich mich einzig meinen Trauergefühlen hin, oder suche ich Trost, Halt, Hoffnung?

Stille

Gebet

Gott, ich wende mich an dich und suche bei dir Zuflucht und Halt. In ausweglosen Situationen, wenn Trauer und Leid über mich kommen und das Gefühl der Ohnmacht übermächtig wird - wer sonst könnte mir helfen?

Ich sehe, wie Maria - und viele Glaubende nach ihr - bei dir Trost gefunden haben und den Schmerz aushalten und bewältigen konnten.

Ich möchte nicht nur auf mich schauen: Hilf mir, dass ich Menschen, die von Trauer und Leid erfüllt sind, unter die Arme greifen kann und ihnen ein wenig Halt geben kann - indem ich für sie da bin, indem ich ihnen einfach zuhöre und Zeit mit ihnen verbringe. Ich möchte so die Hoffnung, die durch Jesus in die Welt gekommen ist, durch mein Handeln bezeugen.

 

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

14. Station: Grab 

Der Wanderprediger aus Nazareth, der kein festes Zuhause hatte, der vertrauensvoll predigte: “Sorgt euch nicht um den nächsten Tag… seht euch die Blumen an, die Vögel… sucht zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben” - ist tot und Josef von Arimathäa stellt sein schon für sich und seine Familie gekauftes Grab zur Verfügung: Schnell rein ins Grab mit ihm, bevor die Sonne untergeht, Stein davor und das war’s dann aber auch: Aus - Ende - Vorbei! Selbst ein Josef dachte sicher nicht: Ist ja nur für drei Tage!

Impuls:

Wann war ich das letzte Mal auf dem Friedhof? Und wie geht es mir da?

Ist das für mich eher Endstation oder sehe ich das Zeichen von Leben?

Wie geht es mir mit dem Thema Sterben/Tod/Trauer?

Kann ich an ein Leben nach dem Tod glauben? Und wie stelle ich mir das vor?

Würde ich mein Grab jemanden anderen zur Verfügung stellen, “schenken”?

Gehe ich manchmal auch zu Gräbern, an die keiner mehr hingeht und zünde dort eine Kerze an? Lege ein paar Blumen hin? Spreche ein Gebet?

Stille

Gebet

Gott: Jesus, tot im Grab - mit ihm begraben die Hoffnung deiner Freundinnen und Freunde auf Gottes Reich, einer anderen Zeit und Welt. Hat sich das alles gelohnt? Worauf er alles verzichtet hat, was er auf sich genommen, was er investiert, wo er sich reingehängt hat, was er gesagt und getan, wofür er gekämpft, gelitten, Blut und Wasser geschwitzt hat? Kann das alles gewesen sein? Völlig umsonst? Was ist mit deiner Gerechtigkeit? Jetzt liegt er da, wie ein Samenkorn in Mutter Erde; wie eine verpuppte Raupe; dein geliebtes Kind! Wir hoffen auf dich, wir warten und hoffen, wir warten und hoffen und glauben. Stärke unseren Glauben. Amen.

Kreuzweg unterwegs für die Fastenzeit 2021

15. Station: Ostern - Jesu Auferstehung - Hoffnung

Ostern ist nicht, Ostern wird. Es braucht viel Zeit, bis wir in unseren Herzen etwas spüren und begreifen vom Sieg des Lebens über den Tod. Es braucht Zeit und manchmal zähe Überzeugungsarbeit, bis sich das Leben gegen alle Zweifel und alle Resignation durchsetzt. Aber diese Zeit darf es auch brauchen.

An Ostern macht Gott den Anfang. Er öffnet das Grab. Jetzt kommt es darauf an, dass wir uns aufmachen. Dass wir uns überzeugen lassen vom Leben, das den Tod überwunden hat. Und dass wir unsere ureigene Antwort darauf geben.

Impuls:

Der Theologe Fridolin Stier, mittlerweile verstorbener Alttestamentler in Tübingen, hat in seinem Tagebuch den tragischen Unfalltod seiner Tochter verarbeitet. Unter dem Titel “Vielleicht ist irgendwo Tag” wurden diese Tagebuchaufzeichnungen veröffentlicht.
Es ist ein Buch, das einerseits mit dem Karfreitag des Lebens ringt, das andererseits aber seine ganze Hoffnung auf Ostern setzt. Der Titel des Buches ist einem Gedicht von Fridolin Stier entnommen, das der österlichen Hoffnung mit leisen Worten Ausdruck gibt:

Aus dem Spalt in der Wand des Alls
in das finstre Verlies
brach plötzlich O schön! ein Schein
und schwand.
Ist vielleicht?
Ist irgendwo?
Vielleicht ist irgendwo
Tag.    

                                   Fridolin Stier

Dass wir diese mystische Erfahrung, dass vielleicht irgendwo Tag, Hoffnung, Ostern ist, immer wieder machen dürfen, wünsche ich Ihnen und mir von Herzen.


Stille

Gebet

Uns vom Tode zu befreien, sank er in des Grabes Nacht,
unser Leben zu erneuen, steht er auf durch Gottes Macht.
Tod, du bist im Sieg verschlungen, und das Leben ist errungen.
Halleluja, Jesus lebt, Jesus lebt, Jesus lebt.
Halleluja, Jesus lebt.                                                                         (aus Gotteslob 780,2)

Aktuelles

Ewige Anbetungen in der PG Saalethal

Viele Diözesen haben die ewige Anbetung über ein Jahr auf die Kirchengemeinden des Bistums verteilt. Jeder Gemeinde wird ein bestimmter Tag zugeteilt, an dem in einer Kirche das Allerheiligste ...

Caritas Herbstsammlung

  Der alljährliche Caritassonntag, der unter dem Motto steht ,“Nothelfer gesucht“ wird dieses Mal vom Feldteam „Diakonische Pastoral“ des Pastoralen Raumes Bad Kissingen besonders gestaltet. ...

Urlaubsvertretung Dr. Peter Okafor

Vom 16.08. bis 15.09.22 übernimmt Herr Dr. Peter Okafor (aus Nigeria) die Urlaubsvertretung im Pastoralen Bad Kissingen ...

Glosse

 „Namen sind Schall und Rauch!“

 

„Jetzt reicht's!“
Innerhalb kürzester Zeit war ich:
- der Herr Kriener
- der Herr Greiner
- der Gerhard…
- gerade eben Herr Greyer

und das noch Lustigste: Ein Kommunionkind aus Herz Jesu/Bad Kissingen kam nach dem Erstkommuniongottesdienst zu mir mit dem geschenkten Kreuz der Gemeinde: Daran war ein kleiner Gruß u.a. von mir mit meinem Namen: Gerd Greier! Und er schaute mich fragend an und sagte: „Ich dachte Du heißt HERR und jetzt steht da GERD?!“

Und als ich einer Kollegin mein Leid klagte, bekam ich auch noch zur Antwort: „Namen sind Schall und Rauch!“ Na Danke!

  

Ich hoffe doch Gott kennt mich bei MEINEM NAMEN!

Namensschild


Und na ja, das mit „Gerd“ hat mir noch nie so richtig gefallen; war halt ein Modename in den 70ern; und mein Vater hieß Gerhard; und ich dann halt Gerd. Früher habe ich als Kind immer dann als persönlichen Ausgleich meinen zweiten Vornamen dazugesagt; den verrate ich aber nicht - ich bin schon froh wenn ich mit meinen beiden Namen richtig angesprochen werde: Gerd Greier!

Vielleicht hätte ich doch in ein Kloster eintreten sollen? Da hätte ich mir einen anderen Namen wählen können, zumindest den Vornamen!

Gerd Greier, Pfarrer

 

Impuls

­